Schule ohne Rassismus! Vorträge wie die von Hamed Alhamed (3. v. r.) helfen, die Situation von Flüchtlingen besser zu verstehen und Vorurteile gegenüber Fremden auszuräumen.

Niemand ist gerne ein Flüchtling - Vortrag über Syrien zog 160 Schüler und Lehrer in seinen Bann

Juni 2018

Niemand ist gerne ein Flüchtling

Vortrag über Syrien zog 160 Schüler und Lehrer in seinen Bann

Hamed Alhamed ist 2015 aus Syrien geflohen und macht aktuell eine Ausbildung zu Mediengestalter. Diesen Beruf hat er in Syrien bereits ausgeübt. Um mit Menschen in Kontakt zu kommen, hat er angefangen seine Geschichte und die Geschichte Syriens zu erzählen. In einer multimedialen, sehr fein aufbereiteten Präsentation wechselten sich Bilder, Videos und spannende Erzählungen kurzweilig ab und sorgten dafür, dass es trotz der großen Zahl an Zuhörern im Forum des Lippe-Berufskollegs nahezu still war. Im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus“ am Lippe-Berufskolleg konnte Hamed Alhamed von den SV-Lehrkräften Beate Gante und Frank Stoos als Referent gewonnen werden.

Zu Beginn wurde das Syrien vor dem Krieg beschreiben. Ein offenes und tolerantes Land, in dem unterschiedliche Religionen friedlich nebeneinander lebten. Frauen hatten viele Freiheiten, die für uns selbstverständlich sind, wie z. B. Autofahren oder die Mitgliedschaft im Sportverein. Der kostenlose Zugang zur Bildung stand allen offen. Jugendliche feierten Partys und genossen das Leben. Auch Ehen zwischen unterschiedlichen Religionen waren nichts Ungewöhnliches und erlaubt, wenn die Familien einverstanden waren. „Mit humorvollen Einlagen des Dozenten konnte man zeitweise glauben, es wird ein Land in Mitteleuropa beschrieben“, so Frank Stoos von der Schülervertretung.

Dann der Bruch. Der arabische Frühling, der Kampf der Bevölkerung für die Meinungsfreiheit. Die blutige Niederschlagung der Proteste erzeugte eine Gewaltspirale und führte das Land in einen blutigen Bürgerkrieg, in dem viele Interessengruppen mitwirken. Sehr eindrucksvoll wurde dieses komplexe Thema von Hamed Alhamed dargestellt und durch teilweise sehr ergreifende Geschichten bekamen Opfer ein Gesicht und ein Namen.

Zudem zeigte Alhamed viele verschiedene Blickwinkel seines Lebens im Krieg auf: die politische Situation, die Warlords mit ständig wechselnden Allianzen, Menschen, die durch plötzlich einschlagende Bomben ihre Wohnung oder Familie verlieren, der Kampf um das „nackte Überleben“, die Suche nach Wasser und Nahrung, blutige Willkür von Soldaten, Vergewaltigungen, Giftgasangriffe und nicht zuletzt die Qualen und Gefahren einer Flucht.

SV Lehrer Frank Stoos rief den Schülern im Anschluss an den Vortrag in Erinnerung, dass in Mitteleuropa seit nun 78 Jahren die längste Friedensperiode herrscht und dass dies ein unglaublich wertvolles Gut darstelle. Es führte den Schülern vor Augen, dass jeder einen Teil der Verantwortung dafür trägt, dass es so bleibt. Schüler und Mitarbeiter des Lipp-Berufskollegs haben sich dieses durch die Teilnahme am Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ seit dem vergangenen Jahr auf die Fahnen geschrieben.

„Schlussendlich wurde allen Zuhörern klar, dass niemand einfach so sein Zuhause, seine Familie, seine Arbeit und seineFreunde aufgibt und sich auf einen sehr teuren, ungewissen und gefährlichen Weg begibt, um in einem fremden Land Zuflucht zu suchen,“ so Frank Stoos. Jeder Mensch, der fliehen musste, hat seine eigene Geschichte, seine Erfahrungen und sehr oft so ziemlich alles zurückgelassen, was er liebt und was ihm kostbar ist. Das Fazit des Vortrags: Wenn man solchen Menschen begegnet, sollte man sich auch das immer vor Augen führen - niemand ist gerne ein Flüchtling!

Frank Stoos